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Río Magdalena |
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Reisebericht aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika |
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Ich kann das Erzählte noch nicht recht glauben, es soll aber tatsächlich wahr sein. Da gibt es also Indianer, die einen richtigen Winterschlaf halten. Wenn die Trockenzeit kommt, schlagen sie sich den Bauch voll blauer Tonerde, die sie an den Wasserläufen entlang aufkratzen. Dann kriechen sie mit schwerem Magen in ihre Hütten, verrammeln von innen die Tür und schlafen wie die Murmeltiere. Angeblich 60 bis 90 Tage lang! Wenn die Regenzeit beginnt, kriechen sie wieder aus ihrem Bau, kauen eine Brechwurzel und speien das komische Schlafmittel wieder aus. Lieber Jupp, soll ich Dir mal ein Päckchen blauen Ton schicken? Willst Du's auch mal probieren? In der Felsschlucht des Rio Chicamocha Du hast doch bestimmt schon von dem berühmten Grand Canon in Nordamerika gelesen und Bilder gesehen von dieser ungeheueren Felsschlucht des Colorado=River. Was sagst Du dazu, daß ich jetzt am oberen Rande eines kolumbianischen Canons sitze, dessen Felswände noch tiefer und steiler sein sollen als die im Norden? Junge, Junge, war das ein Gekraxel! Vom Boden der Felsschlucht aus blickst Du an senkrecht aufsteigenden Wänden empor. Oben ein dunkelblauer Streifen, der Himmel. Dann geht's auf Saumpfaden im Zickzack aufwärts. Ein Glück, daß ich schwindelfrei bin! Aber ein bißchen schwummerig war mir trotzdem zumute. |
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Nun sitzen wir ziemlich erschöpft am Rande der Schlucht und blicken in die Tiefe. Der Wasserlauf des Flusses wirkt von hier oben nur wie ein dünner Faden. Aber hinter uns tut sich eine Märchenwelt auf. Zwischen den Sandsteinfelsen blühen große Orchideen. Ein rosaroter Teppich mitten in der Wüste. Man traut seinen eigenen Augen nicht. Wir dampfen den Magdalenenstrom abwärts Unser guter Onkel Tom ist manchmal ein etwas schwieriger Herr. Ich schrieb Dir doch schon, daß er öfter zum Aufbruch drängt, wenn Fernandez und ich gern noch bleiben und Landschaft, Menschen und Bauten näher kennenlernen möchten. Onkel Tom würde am liebsten mit dem Flugzeug von City zu City rasen und seine Geschäftsbesuche erledigen. Sobald es aber etwas interessantes Technisches zu sehen gibt, ist er bereit, wochenlang dauernde Umwege zu machen. |
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Und wir müssen dann mit, ob wir wollen oder nicht. So hatte er vor einigen Tagen durchgesetzt, daß wir zu Schiff den Magdalenenstrom hinabfahren, obwohl wir bei den guten und zahlreichen Flugverbindungen in Kolumbien in wenigen Stunden nach Norden gelangt wären. Aber was hilft's: Tom "Dickkopf", wie ihn Fernandez nennt, hat seinen Willen durchgesetzt. Auf dem Oberlauf des Stroms sieht man nur große, flache und recht plump wirkende Kähne, die vollbeladen stromabwärts gleiten. Stromauf ist das übrigens eine mühselige Sache. |
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Der Río Magdalena ist ein Fluss mit 1538 km Länge im Westen von Kolumbien in Südamerika. Sein Einzugsgebiet beträgt 263.858 km² und ist damit in etwa so groß wie das des Rheins. Der Río Magdalena entspringt auf dem Gebirgsknoten von Las Papas in die Zentralkordilleren aus der Laguna del Buey (auch Laguna de Magdalena genannt) unter dem 2. nördlichen Breitengrad. Dies liegt im kolumbianischen Verwaltungsdepartment Huila. Nahe der Quelle befindet sich San Agustin. Vom 11. Breitengrad an bei Barranquilla beginnt der Río Magdalena, sich in mehrere Mündungsarme zu teilen und ein großes Mündungsdelta zu bilden. Hier befinden sich Inseln, die mit Urwäldern bedeckt sind und starken Überschwemmungen ausgesetzt sind. |
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